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Wegen Demo-Teilnahme: Telekom Baskets kündigen Joshiko Saibou fristlos

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Paukenschlag bei den Telekom Baskets Bonn: Nach seiner Teilnahme an einer Großdemonstration in Berlin gegen die Coronamaßnahmen der Bundesregierung wurde Nationalspieler Joshiko Saibou entlassen. Und das fristlos. Der Klub reagierte wegen „Verstößen gegen Vorgaben des laufenden Arbeitsvertrags als Profisportler“, so Wolfgang Wiedlich, der Geschäftsführer des Profiklubs. Weiter teilte der Verein mit: „Die Vereine der BBL arbeiten gerade akribisch an Hygienekonzepten für die Zuschauer in der nächsten Saison und an speziellen Arbeitsschutzrichtlinien für die Aktiven. Deshalb können wir ein permanentes Infektionsrisiko, wie es der Spieler Saibou darstellt, weder gegenüber seinen Arbeitskollegen in unserem Team noch gegenüber anderen BBL-Teams im Wettkampf verantworten.“

Auch der Sportrechtler Soland Nasse verurteilte das Verhalten des Spielers scharf. Seine Taten erfüllten fast den Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung. Er gefährde damit seine Mitmenschen und Teamkollegen. Saibou ist indes mit der Entscheidung seines Arbeitgebers nicht einverstanden. Er griff den Klub in einem Video auf Instagram scharf an. Die Kündigung sei ein Schlag ins Gesicht der Meinungsfreiheit.

DBB distanziert sich von dem Vorgang

Wie sich die Kündigung auf die Quoten bei Basketball Wetten auswirken wird, steht indes noch in den Sternen. Der Deutsche Basketball Bund wollte den Vorgang nicht weiter kommentieren, DBB-Präsident Weiss sagte gegenüber dem SID lediglich, dass er akzeptiere, dass der Nationalspieler eine andere Meinung habe.

Müssen Klub und Saibou vor Gericht?

Der Spieler wird sich die Kündigung sicherlich nicht gefallen lassen. Wiedlich rechnet mit einem Gerichtsverfahren. „Wir wissen, dass wir keine guten Karten haben, da mit einer Null rauszugehen. Es läuft wahrscheinlich auf einen Vergleich hinaus“, so der Klubchef. Rückendeckung bekommt Saibou von der Vereinigung „Athleten Deutschland“. Diese steht im Kontakt mit dem Spieler sowie seinem Anwalt. Es wird demnach bezweifelt, dass die Kündigung Bestand haben könne.

Allerdings distanzierte sich die Vereinigung auch klar von der Gesinnung des Nationalspielers. „Wir betonen, dass wir uns von Joshikos genereller Haltung zur Corona-Pandemie deutlich distanzieren“, so der Wortlaut einer veröffentlichten Erklärung. Saibou sorgte bereits im Mai 2020 für Furore, als er unter dem Hashtag #AppellandenVerstand ein Video veröffentlichte, in dem er Kritik an den Corona-Beschränkungen äußerte. Schon damals reagierten die Telekom Baskets verschnupft und distanzierten sich von den Äußerungen des Spielers.

Die Karriere von Saibou

Joshiko Saibou zeigte schon sehr früh sein Interesse am Basketball. Im Alter von sechs Jahren begann er mit dem Training beim BSC Berlin und spielte schließlich von 2000 bis 2006 beim TuS Lichterfelde, der damaligen Nachwuchsmannschaft von Alba Berlin.

Im Jahr 2009 folgte der erste Profivertrag mit Alba. Seither hat Saibou folgende Stationen durchlaufen:

  • 2009 bis 2011: Alba Berlin
  •  2011 bis 2013: TBB Trier
  • 2013 bis 2014: Gießen 46ers
  • 2014 bis 2015: Crailsheim Merlins
  • 2015 bis 2016: s. Oliver Baskets
  • 2016 bis 2017: Gießen 46ers
  • 2017 bis 2019: Alba Berlin
  • 2019 bis 2020: Telekom Baskets Bonn

In den Jahren 2011, 2018 und 2019 wurde er mit seinen Mannschaften jeweils Deutscher Vizemeister.

Die BBL und Corona

Breits Anfang März 2020 musste die BBL die laufende Saison pausieren. Doch während Handball und Eishockey die Spielzeit direkt beendeten, warteten die Basketballer lieber ab und erarbeiteten ein Hygienekonzept, um die Saison doch noch zu Ende spielen zu können. Im Juni war es dann soweit: Nach langer Vorbereitung startete im Münchener Audi Dome das Meisterschaftsturnier. Und das mit Erfolg. Das Hygienekonzept verlangte unter anderem folgende Maßnahmen:

  • Der Spielbereich ist weiträumig abgesperrt
  • Das Kampfgericht sitzt hinter Plexiglas
  • Das Säubern des Hallenparketts vom Schweiß der Spieler während der Pausen wird von Teammitgliedern übernommen

Aktuell arbeitet die BBL gemeinsam mit der Deutschen Eishockey Liga, der Handball Bundesliga sowie der 2. Handball Bundesliga an einem Leitfaden, um möglichst schnell wieder Spiele inklusive Zuschauer zu ermöglichen. Dass das nicht ganz einfach wird, ist den Beteiligten klar. Denn bundesweit einheitliche Regeln wird es nicht geben können, da die Zulassung von Zuschauern von den Entscheidungen der örtlichen Gesundheitsämter und der spezifischen Infektions- und Verordnungslage vor Ort abhängig ist.

Daher kommt es an den Standorten zu unterschiedlichen Lösungsansätzen, was die Zuschaueranzahl und die allgemeine Struktur der Hygienevorschriften angehen. Das Hauptproblem ist aber nicht nur die notwendige Zustimmung des örtlichen Gesundheitsamtes, sondern auch die Wirtschaftlichkeit. Schließlich ist es möglich, dass die notwendigen Ausgaben die erhofften Einnahmen übersteigen. Sollte dies der Fall sein, kann ein Verein auch ein Spiel ohne Zuschauer organisieren.

Allerdings ist es höchst zweifelhaft, dass die Politik in naher Zukunft Spiele mit Zuschauern erlauben wird. Auch die Fußball Bundesliga hat ein Konzept erarbeitet, die Politiker zeigen sich jedoch auf Grund der jüngsten Entwicklung skeptisch. Da in einer Sporthalle ohnehin andere Bedingungen als in einem Freiluftstadion herrschen, ist eine Zulassung von Zuschauern bei Basketballspielen in den kommen Monaten sehr unrealistisch.  

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