Tellerrand

5g mobile – blitzschnell in die Zukunft?

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In nur wenigen Sekunden einen fast 5 GB großen Film herunterladen? Theoretisch ist dies mit dem neuen 5g Netzstandard möglich.

Im März 2019 begann die Versteigerung der Mobilfunkfrequenzen in den Bereichen 2 GHz, 3.4 GHz bis 3.7 GHz durch die Bundesnetzagentur. Zwölf Wochen später stand fest, welche Unternehmen in Deutschland das 5g Netz aufbauen. Für satte 6,6 Milliarden Euro übernehmen diese Aufgabe die Deutsche Telekom, Vodafone und Drillisch (1&1). Die Deutsche Telekom, die den Hauptteil des 5g-Ausbaus trägt, verspricht, bis zum Jahr 2025 für eine 90-prozentige Versorgung in der Fläche und eine 99-prozentige Versorgung der Bevölkerung zu sorgen. Das derartige Versprechen nicht unbedingt gehalten werden, zeigte sich an den Ausbaugeschwindigkeiten der Vorgänger des 5g-Mobilfunkstandards. Noch heute weist Deutschland etliche weiße Flecken auf, in denen überhaupt kein Netz zu empfangen ist, von 5g erst gar nicht zu reden. Immerhin hat es T-Mobile als Tochter der Deutschen Telekom geschafft, bis heute zumindest die größten Städte der Bundesrepublik sowie etliche Autobahnkilometer mit 5g-Sendemasten auszustatten, ob jedoch in 5 Jahren wirklich überall 5g möglich ist, darf ruhig bezweifelt werden. Sich also mal schnell von jedem beliebigen Standort in Deutschland für ein Spielchen in Echtzeit in ein Online-Casino einzuwählen, wird wohl noch etwas über das Jahr 2025 hinaus dauern. 

Die Geräte, um dies zu tun, gibt es aber schon längst. Natürlich ist auch Apple mit seinen iPhones dabei. Die neueste iPhone-Generation ist komplett dafür gerüstet, den 5g-Standard zu nutzen. Dazu gehören:

  • Apple iPhone 12 Pro Max
  • Apple iPhone 12 Pro
  • Apple iPhone 12
  • Apple iPhone 12 mini

Mit diesen Smartphones ist deren Besitzer beziehungsweise Besitzerin bezüglich 5g also auf der sicheren Seite, doch wie schnell ist 5g tatsächlich?

Im Jahr 2018 testete die Deutsche Telekom auf der IFA das 5g Netz im Livebetrieb, damals wurden Downloadgeschwindigkeiten von drei Gigabit pro Sekunde gemessen. Zum Vergleich, der aktuelle Standard LTE bringt es bestenfalls auf 300 Megabit pro Sekunde. An dieser Stelle muss aber erwähnt werden, dass diese Zahlen immer einer Idealsituation entsprechen, dass sich also das Smartphone in unmittelbarer Nähe zum Sendemast und ohne störende Hindernisse dazwischen befindet.

In Südkorea wurde im Jahr 2019 ein Realitätstest am dortigen 5g Netz mit über 16.000 Messungen im Stadtgebiet, auf dem Land und in Zügen durchgeführt. Die Ergebnisse sorgen für Ernüchterung. Das Maximum, das erreicht wurde, lag gerade einmal bei 902,7 Megabit pro Sekunde, was aber noch ärgerlicher ist, das die Latenz bei 72 ms und höher lag. Der Begriff der Latenz beschreibt die Reaktionszeit, wenn von einem mobilen Endgerät eine Aktivität ausgeht und diese vom Empfängergerät beantwortet wird. Jetzt sind 72 ms ja eigentlich schnell, weniger als eine Sekunde. Das Problem jedoch besteht darin, das 5g als Standard für autonomes Fahren vorgesehen ist. Erwartet wurde für 5g eine Latenz von 1 ms, um autonom fahrenden Autos oder Lkws eine Aktivität bei Gefahrensituationen schnellstmöglich zu übermitteln, eigentlich wesentlich schneller als ein Mensch reagieren könnte. Mit 72 ms oder sogar mit über 100 ms, die auch in Südkorea gemessen wurden, ist 5g aber gerade mal so schnell wie ein Mensch oder schlimmstenfalls langsamer. 

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